Stefan Glarners neues Glück nach der Karriere

  • 28.10.2021

Für den 33-Jährigen begann Anfang 2021 nach 14 Jahren als Profi ein neues Leben: Er spielt beim FC Köniz - und arbeitet Vollzeit. Die Tage sind ausgefüllt, aber der Verteidiger sagt: «Es macht Spass.»

Foto: Daniel Rodriguez / FC Köniz
Foto: Daniel Rodriguez / FC Köniz

Als der FC Thun 2020 in die Challenge League abstieg, stand Stefan Glarner auf einmal ohne Vertrag da - die Zusammenarbeit wäre nur weitergegangen, wenn die Berner Oberländer ihren Platz in der höchsten Spielklasse verteidigt hätten. Über 300 Partien hatte er für die Thuner bestritten, aber nun endete ein langes, intensives Kapitel. Nicht nur, aber auch aus finanziellen Gründen.

Der damals 32-Jährige hoffte, dass sich irgendein Club melden würde. Dass er seine Karriere doch noch verlängern könnte. Er trainierte weiter, oft allein, und beschäftigte sich mit dem Gedanken, was er beruflich tun könnte, falls es mit dem Fussball nichts mehr würde. Als Ende 2020 klar war, dass es nicht mit einem Comeback in einer der zwei höchsten Ligen wird, entschloss er sich, seinen Rücktritt als Profi zu geben. Und er war vorbereitet auf das Leben danach: Er bekam eine Anstellung in einer Firma, die sich auf Holzheizungen spezialisiert hat. Mit einem Schmunzeln sagt er: «Ich bekam mehr Angebot für einen Job in der Privatwirtschaft als in einem Fussballclub.»

Glarner, ein gelernter Maurer, berät nun Kunden, schreibt Offerten, gelegentlich beteiligt er sich auch an Bausitzungen auf Baustellen. Dass sich alles so entwickelt hat, sei für ihn ein wahrer Glücksfall: «Ein cooles Team mit einem flexiblen Chef an der Spitze, eine Arbeit, die mir zusagt - ich könnte es mir nicht besser vorstellen.»

Glarner hält noch mühelos mit

Die Tage sind ausgefüllt. Morgens steht Glarner um 5.45 Uhr auf, Feierabend ist nicht vor 17 Uhr. Und danach geht es viermal pro Woche in die Verlängerung, denn: Ganz ohne Fussball geht es dann doch nicht. Im Frühjahr unterschrieb der 33-Jährige beim FC Köniz und machte nach dem Abstieg aus der Promotion League im Sommer weiter. Der Aufwand ist auch in der 1. Liga gross, bereitet aber Spass. «Sobald es für mich kein Vergnügen mehr ist, höre ich auf», sagt er, «derzeit ist es noch so, dass ich mit den Jungen mithalten kann. Und ich bin Teil eines Teams, das bestens funktioniert.»

Glarner verfügt über eine Menge Erfahrung, aber er war noch nie einer, der zwischendurch das Tempo drosselte, und darum will er sich auch jetzt nicht zurücklehnen. Wenn er etwas anpacke, dann richtig, bemerkt er, «ich sage mir nie: 60, 70 Prozent reichen doch auch. Nein, ich gebe Vollgas, sei es im Training oder im Spiel». Beibehalten hat er seine professionelle Einstellung auch in Bezug auf die Vorbereitung eines Wochenendes. Er hat nun zwar den Amateurstatus, aber am Abend vor einem Match auszugehen, das kommt nicht infrage. Ausserdem sei das Niveau in der 1. Liga sehr beachtlich, da bestehe man nicht mit halber Kraft.

Primäres Ziel: Ligaerhalt

Beim FC Köniz ist der rechte Verteidiger zusammen mit dem früheren Super-League-Spieler Stephan Andrist das bekannteste Gesicht. Nach dem Umbruch im Sommer strebt er mit dem Team von Trainer Silvan Rudolf nicht gleich den Wiederaufstieg an. Primär sei es das Ziel der Berner, nicht in Abstiegsgefahr zu geraten - «und gegen oben lassen wir uns gerne überraschen».

Und wie verfolgt er das Geschehen in der Super League und Challenge League? Wie den FC Thun, bei dem er gross geworden ist? «Aus der Distanz», antwortet er, «was vor allem damit zu tun hat, dass mir neben meiner Arbeit und dem FC Köniz nicht mehr viel Freizeit bleibt.» Über den erzwungenen Abgang in Thun hat er hinweggefunden: «Ich hatte eine schöne Zeit, vermisse aber nichts. Im Nachhinein kann ich sagen: Es ist gut, wie sich alles ergeben hat. Ich habe mein neues Glück gefunden.» (pmb.)

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