Santana: «Der FC Tuggen ist eine der besten Adressen in der 1. Liga»

  • 27.10.2020

Javier Santana trainierte beim FC Zürich unter Urs Fischer und Lucien Favre – seit 2010 spielt er beim FC Tuggen. Mit der Geschichte des 32-Jährigen endet unsere Serie «Local Heroes».

Im Januar 2010 ist es, als Javier Santana aus der U-21 des FC Zürich zum FC Tuggen stösst. Er ist damals ein 21-jähriges Talent, das sich gezwungen sieht, eine neue Richtung einzuschlagen. Beim FCZ reicht es nicht zum Durchbruch, aber wer weiss: Vielleicht tut ein Umweg über die 1. Liga ja gut.

Fast elf Jahre später spielt Santana immer noch in Tuggen. Aus einer Profi-Karriere ist zwar nichts mehr geworden, aber der inzwischen 32-Jährige wirkt trotzdem zufrieden: «Tuggen ist eine der besten Adressen in der 1. Liga. Es gab für mich bislang keinen Grund fortzugehen.» Und: «Vielleicht wechsle ich den Klub gar nicht mehr und höre eines Tages hier auf.»

Starlin Javier Santana Moncion, so der vollständige und klangvolle Name, stammt aus der Dominikanischen Republik. Als er 3 ist, kommt er mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder in die Schweiz. Die Mutter hat einen Chilenen kennengelernt, der hier seinen Wohnsitz hat. Javier Santana verbringt als Kind viel Zeit an der frischen Luft, er kickt am liebsten mit Freunden in Spreitenbach und im lokalen FC. 

Grosser Auftritt im Junioren-Cupmatch

Als die B-Junioren Verstärkung brauchen, ruft der Trainer Santana an, der zwar jünger ist als alle anderen, aber eben auch schon richtig gut. In jenem Cupmatch wird er eingewechselt und wendet mit drei Toren das Spiel. Er macht damit vor allem Werbung in eigener Sache. Santana, schnell, technisch stark und körperlich robust, erhält einen Platz im Nachwuchs des FC Zürich. Shabani Nonda, von 1996 bis 1998 eine Attraktion bei den Zürcher Profis, ist sein Vorbild. Später ist es Giovane Elber, der brasilianische Stürmer des FC Bayern München und von GC.

Santana geht unbeirrt seinen Weg, nimmt Stufe um Stufe, in der U-21 lernt er von Urs Fischer. Und dann steht er an der Schwelle zur 1. Mannschaft. Lucien Favre ist der Coach, der Santana mittrainieren lässt. «Favre hat die Jungen gefördert», sagt Santana, «ich habe viel von ihm profitiert. Er ist ein sensationeller Trainer.» Als Favre bei Hertha Berlin unterschreibt und Bernard Challandes das Amt beim FCZ übernimmt, geht es für Santana nicht mehr in gleichem Tempo voran. 

Arbeitsstelle beim Präsidenten

Im Januar 2009 wird er an den FC Schaffhausen ausgeliehen und bekommt seine Einsätze in der Challenge League. Als er ein halbes Jahr später zum FCZ zurückkehrt, ändert sich an der Situation aber nichts. Santana sieht keine Chance auf den Durchbruch und entscheidet sich für den Transfer zum FC Tuggen. Anpassungsschwierigkeiten kennt er keine. Auf Anhieb liefert er und wird so zu einem unverzichtbaren Wert für die Schwyzer. 

Darüber hinaus entstand eine berufliche Bindung mit Tuggen dank einer Anstellung bei Tulux: Das ist die ortsansässige Firma für Beleuchtungen, deren Verwaltungsratspräsident und Geschäftsleiter Felix Huber ist - und Huber ist auch Präsident des FC Tuggen.

Santana pendelt täglich zwischen seinem heutigen Wohnort Birr AG und Tuggen. «Kein Problem», meldet er, «ich bin mir das inzwischen gewohnt.» Sich eine neue Stelle suchen, dazu einen neuen Verein, um den Anfahrtsweg zu verkürzen, das will er nicht. «Viele Spieler fangen irgendwo an, und nach ein paar Monaten sind sie wieder weg», sagt er, «ich will das nicht. Wenn ich mich in einem Umfeld gut aufgehoben fühle, bleibe ich.»

Der Aufstieg ist das Ziel

Mit Tuggen strebt der Flügel die Aufstiegsspiele an. Die Promotion League, sie hätte ihren Reiz. Santana hat mit den Schwyzern bereits einmal auf diesem Niveau gespielt. «Wir reden zwar immer noch von Amateurfussball, aber es hat einige Mannschaften mit Ambitionen dabei, die den Gegnern einiges abverlangen», sagt er. «Es wäre für uns eine schöne Herausforderung, der wir uns gerne stellen würden.»

Der Fan des FC Bayern, der in seiner Zeit bei Tuggen Nationalspieler der Dominikanischen Republik wurde und drei Partien bestritt, hat für die Zeit nach seiner aktiven Laufbahn einen klaren Plan. Er will Trainer werden und hat bereits mit der Ausbildung begonnen. «Ich spiele immer noch wahnsinnig gerne», sagt er, «aber einmal kommt der Tag, an dem Schluss ist. Ich möchte für die Zeit danach vorbereitet sein.»

Und wenn er dann zurückblickt auf seinen Weg, wird er eines mit Sicherheit nicht tun: etwas bereuen. «Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Es ist zwar schade, dass es nicht gereicht hat, Profi in der Super League zu werden. Aber ich habe mit Tuggen so viel Schönes erlebt, dass es nicht angebracht wäre, an Dingen herumzustudieren, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.»

(pmb)

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