Marco Rüedi - ein Student führt Regie beim SC Cham

  • 07.10.2021

Der 23-Jährige war nahe dran, den Sprung in den Profifussball zu schaffen. Nun absolviert er ein Architekturstudium und spielt mit Ambitionen in der YAPEAL Promotion League.

Dynamisch: Marco Rüedi im Cup gegen Jordy Wehrmann vom FC Luzern. Foto: Reto Müller
Dynamisch: Marco Rüedi im Cup gegen Jordy Wehrmann vom FC Luzern. Foto: Reto Müller

Er hatte den Traum, den Durchbruch zu schaffen. Profi zu werden. Sein Geld mit Fussball zu verdienen. Er schien nahe dran, als er in der U-21 des FC Luzern spielte und der gleichaltrige Ruben Vargas einer seiner Teamkollegen war. Aber Marco Rüedi glückte nicht derselbe Aufstieg wie Vargas, der inzwischen bei Augsburg unter Vertrag steht und mit der Schweizer Nationalmannschaft schon 19 Länderspiele bestritten hat. Darum setzt er nun auf die berufliche Ausbildung: Der 23-Jährige aus Sempach studiert Architektur an der Technischen Hochschule in Horw LU.

Und doch hat der Sport für ihn weiterhin einen hohen Stellenwert. 2019 wechselte er zum SC Cham in die Promotion League, fungiert im Team von Roland Schwegler als Regisseur und sagt: «Die Herausforderungen dieser Liga sind nicht zu unterschätzen. Technisch, taktisch und auch physisch wird einiges verlangt.»

Mehr Skorerpunkte sammeln

Seit 2015 gehören die Zuger zur dritthöchsten Spielklasse, und viele seiner Fussballer haben ihre Ausbildung in Luzern absolviert. Rüedi, dessen Idole in jüngeren Jahren der Engländer Frank Lampard und der Brasilianer Kaká waren, gilt als ballsicherer «Zehner» mit gutem Auge und feiner Nase. Er hat aber den Ehrgeiz, noch stärker Einfluss zu nehmen, also: noch mehr Skorerpunkte zu sammeln. «Ich kann mich in jedem Bereich steigern», sagt er, «ich habe den Anspruch, mehr Tore vorzubereiten und im Abschluss häufiger erfolgreich zu sein.»

Rüedi, dessen jüngerer Bruder Fabian bei Erstligist SC Buochs spielt, ist Teil eines Vereins, in dem er die familiäre Ambiance hervorhebt. Gleichzeitig schätzt er die professionelle Herangehensweise an die einzelnen Partien, was nicht zuletzt dem Trainerduo zu verdanken ist. Roland Schwegler, einst selber Super-League-Profi (GC, Luzern), steht in seiner dritten Saison, assistiert wird er von Emilio Gesteiro.

Gewiss hätte es seinen Reiz, noch einmal die Stufe Challenge League zu erreichen. Wie sich das anfühlt, erlebte Rüedi 2018/19 in Kriens, aber er sagt: «Mir geht es in Cham mega gut. Darum denke ich nicht daran, den Verein zu verlassen. Ein Wechsel käme sowieso nur infrage, wenn sich der Fussball auch weiterhin so gut wie jetzt mit dem Studium vereinbaren liesse.»

Zusammenhalt als Stärke

Zudem verfolgt er mit den Zuger durchaus hohe Ambitionen. Vergangene Saison endete mit dem bemerkenswerten Platz 2, nun belegt das Team nach neun Runden Rang 6. «Unsere grosse Stärke ist der Zusammenhalt», sagt Rüedi, «individuell sind andere Team vielleicht stärker, dafür treten wir als Einheit auf und erbringen den Beweis dafür auch regelmässig auf dem Platz.» Und wenn, wie im September geschehen, einmal drei Partien in Serie verloren gehen, kommt nicht gleich Nervosität auf. 

Marco Rüedi sieht den SC Cham nicht als einen der grossen Aspiranten auf den Aufstieg. Chiasso, Stade Nyonnais, auch Breitenrain sieht er eher in der Favoritenrolle. Aber er hat Lust auf Überraschungen - und darauf, die Saison im vorderen Mittelfeld abzuschliessen. Wenn es nun am Samstag auf dem heimischen Eizmoos gegen Nyonnais geht, traut Rüedi seinem Team einiges zu: «Die Liga ist extrem ausgeglichen. Wir müssen uns vor keinem Gegner verstecken.» (pmb.)

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