Ladner: «Für mich gibt es keinen besseren Verein als den FC Baden»

  • 23.10.2020

Luca Ladner ist eine treue Seele: Seit über neun Jahren ist der FC Baden sein Verein. Der 31-jährige Captain, der in einem Treuhandbüro arbeitet, ist der dritte Spieler unserer Serie «Local Heroes».

Als Luca Ladner 2011 zum FC Baden stösst, ist er 22 und immer noch guter Hoffnung, dass es doch noch etwas wird mit einer Karriere auf höherem Niveau. In der 1. Liga will er dafür einen neuen Anlauf holen. Drei Jahre hat er auf den Fussball gesetzt, er hat in Wohlen und Schaffhausen Erfahrung in der Challenge League gesammelt, beim FC Zürich hat er es auf sechs Einsätze in der Super League gebracht. Aber irgendwie kommt er nicht wie gewünscht voran. Als er vertragslos ist, wählt er den Umweg über Baden.

Als es Herbst 2020 wird, ist Ladner 31. Und immer noch im gleichen Verein aus der 1. Liga Gruppe 2. Er ist der Captain der Badener, der Chef auf dem Platz und ein Mann mit klarem Kopf: «Es hat nicht sein sollen, dass ich es nochmals weiter oben packe. Aber es passt. Ich kann mir keinen besseren Verein für mich vorstellen als den FC Baden.»

In jungen Jahren möchte Ladner in die Fussstapfen seines Vaters Andy treten, der Profi bei GC, Basel und Lugano war, der 1983 vom legendären Coach Paul Wolfisberg in die Nationalmannschaft berufen wurde, bevor er 1991 seinen Rücktritt gab. Luca wird als Junior zunächst in der Nachwuchsabteilung der Grasshoppers ausgebildet, wechselt dann zum FC Zürich und spielt dort in der U-21 unter anderem mit Admir Mehmedi. Parallel zum Sport absolviert er eine KV-Ausbildung, er denkt sich: «Ein berufliches Standbein schadet sicher nicht.»

2008 Debüt in der Super League

Er hat das Glück, einen grosszügigen, fussballfreundlichen Arbeitgeber zu haben. Ladner bringt Talent mit, wird Junioren-Nationalspieler und nähert sich kontinuierlich der ersten Mannschaft in Zürich an. Am 22. März 2008 debütiert er in der Super League, drei Minuten vor Schluss wechselt ihn Trainer Bernard Challandes ein.

Aber die steile Fortsetzung des Aufstiegs bleibt aus. Mit einigen Jahren Abstand sagt er: «Es müssen viele Faktoren stimmen, um sich durchzusetzen. Mir fehlte wohl der letzte Biss.»

Er schlägt einen anderen Weg ein. Und bereut das nicht, im Gegenteil. Er profitiert von seiner kaufmännischen Lehre, bildet sich zum Sachbearbeiter Treuhand weiter und ist nun daran, den eidgenössischen Fachausweis zu erwerben. Im August hat er mit der zwei Jahre dauernden Schule begonnen.

Ladner steht mitten im Geschäftsleben, in Altstetten hat er sein Büro. Aber das heisst nicht, dass die Leidenschaft für den Fussball verschwunden ist. Vier Mal fährt er ins Training, am Wochenende führt er seine Mannschaft auf den Platz. Er tut das mit Überzeugung und Begeisterung, und seine Dienste werden geschätzt. «Die Wertschätzung ist sehr gross», sagt er. 

Klares Ziel: Aufstieg mit Baden

Für Trainer Ranko Jakovljevic ist der Mittelfeldspieler ein unverzichtbarer Pfeiler, und obwohl Ladner nun Amateur ist, verfolgt er ambitionierte Ziele: Er will mit Baden «unbedingt aufsteigen». Ja, so sagt Ladner das: «Seit Jahren streben wir den Sprung an, nun ist die Zeit endgültig reif dafür. Wir haben die Qualität im Team, um nächstes Jahr in der Promotion League dabei zu sein. Auch wenn uns allen bewusst ist, dass sich diese Aufgabe nicht mit halber Kraft lösen lässt.»

Der Aufwand ist zwar jetzt schon beträchtlich, und er würde eine Stufe höher sicher nicht geringer. «Ja», sagt Ladner, «es ist nicht so einfach, Beruf, Sport und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Die Freizeit leidet zweifellos bei diesem gedrängten Programm. Aber als Spieler willst du den maximalen Erfolg und denkst nicht daran, dass das Pensum in der Promotion League vielleicht noch zunehmen wird.»

Der Mann mit der Rückennummer 17 hat auch deshalb Spass in Baden, weil er an der Seite von Kollegen spielen darf: «Wir haben eine Gruppe beisammen, in der ein sehr guter Geist herrscht. Die Chemie stimmt einfach. Deshalb fühle ich mich hier sehr wohl.»

Die Scherze mit Vater Andy

Noch immer unterhält sich Luca Ladner regelmässig mit seinem Vater über Spiele. Früher arbeitete Andy Ladner Leistungen seines Sohnes kritisch auf, besonders auch damals, als er ihn selber trainierte. «Heute sage ich ihm im Scherz ab und zu: Du warst rechter Verteidiger, ein Skischuh. Du kannst meine Rolle im Mittelfeld ja gar nicht beurteilen», sagt Ladner junior mit einem breiten Grinsen, fügt aber an: «Ich habe von ihm viel profitiert. Er hat mir die Liebe für den Fussball mitgegeben, aber auch die Fähigkeit, mich selber einschätzen zu können und nicht zu wichtig zu nehmen. Wir haben uns immer gut verstanden, und daran wird sich nichts ändern.» (pmb.)

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