Elefante: «Am liebsten würde ich meine Karriere bei Vevey beenden»

  • 14.10.2020

Der Italiener Roberto Elefante gehört mit seinen 34 Jahren zu den Routiniers von Vevey United - und er ist der nächste Captain, der in der Serie «Local Heroes» porträtiert wird.

Es gab Jahre, in denen Vevey auf höchstem nationalen Niveau dabei war. In denen im kleinen Stade de Copet Nationalliga-A-Fussball geboten wurde. In denen ein junger Stürmer namens Claudio Sulser mit Toren auf sich aufmerksam machte, bevor er Anfang 1977 zu GC wechselte und eine grosse Karriere machte. «Der Verein hat eine grosse Tradition», sagt Roberto Elefante, «und wenn ich die heutige Infrastruktur sehe, die Bedingungen, unter denen wir trainieren, die Qualität des Kaders, dann ist für mich klar: Mittelfristig müssen wir mindestens einen Schritt nach oben machen.»

Ausbildung bei Reggina Calcio

Elefante ist 34, Innenverteidiger und Captain der Mannschaft, die seit 2016 und dem Aufstieg aus der  2. Liga interregional zur 1. Liga zählt. Er steht in seiner vierten Saison bei Vevey United, und wenn es nach ihm ginge, möchte er seine Karriere in diesem Verein beenden. Sein Vertrag läuft im nächsten Sommer zwar aus, aber an ihm wird eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gewiss nicht scheitern: «Ich bin glücklich bei Vevey. Und wenn die Verantwortlichen wünschen, dass ich weitermache, sage ich sofort zu.»

Mit Elefante dirigiert ein ehemaliger Profi die Abwehr. In Brindisi kam er zur Welt, mit 14 wechselte er von seinem Dorfverein zu Reggina Calcio und durfte in jungen Jahren mit den Serie-A-Profis trainieren. Danach zog er fort, spielte in der Serie C und Serie D, bis 2013 verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Fussball. 

Dann kam aber der Moment, in dem er Lust auf eine Luftveränderung hatte - und seine Heimat verliess. Er zog nach Lausanne, dort lebte seine Schwester bereits, und sie stellte auch den Kontakt zu Azzurri Lausanne her. Für den bisherigen Berufsfussballer begann ein neues Kapitel. Als Amateur war er auf eine Arbeit angewiesen, und die fand er bei einer Garage: Er reinigte Autos. Heute sagt er: «Der Umzug in die Schweiz war eine optimale  Entscheidung.» Er integrierte sich auch deshalb problemlos, weil er schnell Französisch lernte - im Alltag und in Kursen. 

«Das Glück gefunden»

2017 meldete sich Veveys Präsident William von Stockalper, überzeugte ihn von einem Transfer und gab ihm auch gleich eine Arbeitsstelle in seinem Unternehmen, das sich auf LED-Werbe-Bildschirme spezialisiert hat. Elefante kümmert sich um den Unterhalt und Reparaturen, in dieser Funktion ist er oft zwischen Sierre und Genf unterwegs. «Ich habe mein Glück gefunden», sagt er, «beruflich, sportlich und privat könnte es mir nicht besser gehen. Wir planen nicht, wieder nach Italien zurückzukehren. Und wenn, dann nur ferienhalber.» Seine Frau fühlt sich so wohl wie er und der vierjährige Sohn. 

Roberto Elefante mag inzwischen zwar als Amateur gelten, seine professionelle Einstellung hat er gleichwohl behalten. «Wenn man ein gewisses Alter erreicht, ist es erst recht wichtig, dass man zu seinem Körper Sorge trägt», sagt er, «ich kann mich nicht zurücklehnen und glauben, dass ich mit halbem Einsatz mithalten kann.» Im Ohr hat er noch Sätze von Leuten, die ihm bei seinem Wechsel in die Schweiz sagten: «Was willst du dort? Das Niveau ist doch ziemlich bescheiden.» Aus Erfahrung kann er ihnen heute antworten: «Das stimmt überhaupt nicht. Hier wird gute Arbeit geleistet, und das taktische Level wird kontinuierlich besser. Wer sich in dieser Liga durchsetzen will, muss schon ein gewisses Niveau haben.»

Fan von Chiellini

Elefante, ein Fan von Juventus und ein Bewunderer des kompromisslosen Verteidigers Giorgio Chiellini («er ist nicht der feinste Techniker, aber unerschrocken im Zweikampf»), lobt den Staff, allen voran Trainer Christophe Caschili und Julien Goguel. «Sie sorgen dafür, dass wir stets tadellos auf den Gegner vorbereitet sind», sagt er, «ich hoffe, dass die beiden eines Tages eine Mannschaft aus einer höheren Liga übernehmen. Die Qualität dafür haben sie auf jeden Fall.»

Er selber sieht seine Rolle als Führungsfigur auf und neben dem Feld. Ratschläge erteilen, den Jungen ein Vorbild sein und ihnen helfen, das will Roberto Elefante. Und er, der schon viel erlebt hat, freut sich jetzt schon auf ein Highlight in dieser Saison. Im Februar trifft er mit Vevey United im Cup-Achtelfinal auf Servette. «Wir hoffen natürlich, dass sich bis dahin die allgemeine Lage mit Covid-19 entspannt hat», sagt er, «dann erleben wir im Stade de Copet ein wunderbares Fest.» (pmb.)

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