Causi: «YF Juventus ist wie eine zweite Familie für mich»

  • 07.10.2020

Der 28-jährige Elvedin Causi ist Stürmer, seit zwei Jahren Captain von YF Juventus - und der erste Spieler, der im Rahmen der vierteiligen Serie «Local Heroes» vorgestellt wird.

Elvedin Causi, YF Juventus
Elvedin Causi, YF Juventus

Es war nicht immer angenehm in den vergangenen fünf Jahren. YF Juventus kämpfte oft gegen Abstieg, und das kostete Substanz. Aber jetzt, in der Saison 2020/21, läuft es deutlich besser und so, dass Elvedin Causi sagen kann: «Es macht richtig Spass mit diesem Team. Jeder ist bereit, dem anderen zu helfen. Das ist unsere grosse Stärke.» An dieser Einschätzung ändert auch eine Niederlage wie jenes schmerzhafte 1:5 am Samstag in Rapperswil nichts. YF Juventus belegt nach neun Spielen Platz 4.

Causi ist ein wichtiges Element dieser Gruppe. Er übernimmt als Captain automatisch eine führende Rolle, gehört aber auch mit seinen offensiven Fähigkeiten zu den unverzichtbaren Werten der Zürcher. Und das Wohl des Vereins liegt ihm am Herzen: «YF Juventus ist wie eine zweite Familie für mich. Mir bedeutet dieser Klub wahnsinnig viel.»

Schon früh entdeckt Causi seine Leidenschaft für den Fussball. Er wächst im Kreis 4 der Stadt Zürich auf, unweit des Stadions Letzigrund lebt er mit seiner Familie und beginnt bei den Junioren des FCZ zu kicken. Mit 18 wechselt er temporär zu YF Juventus, in seiner zweiten Saison steigt er von den A-Junioren in die erste Mannschaft auf und erzielt in der 1. Liga Tor um Tor.

Der Profi-Vertrag beim FCZ

Der Linksfuss macht Werbung in eigener Sache, kehrt zum FCZ zurück, spielt in der U-21 und absolviert gleichzeitig eine Lehre als Logistiker. Nach erfolgreichem Abschluss erhält er einen Profivertrag, es sieht danach aus, als würde ein Traum wahr. Causi reist mit den Zürchern Anfang 2014 ins Trainingslager in die Südtürkei - aber die Erinnerung daran ist eher Stoff für einen Alptraum. Er erleidet eine schwere Blutvergiftung, verbringt deswegen nach dem Heimflug in die Schweiz eine Woche auf der Intensivstation und leidet so sehr, dass er denkt: «Es ist vorbei.»

Causi wird zwar wieder gesund, aber die Krankheit wirft ihn weit zurück. Er nimmt fast zehn Kilo ab und ist derart geschwächt, dass er mit der Beinpresse nicht mehr als 15 Kilo bewegen kann. Heute schafft er das Zehnfache. Beim FCZ unter Trainer Urs Meier gehört er wieder zum Kader, aber vor sich hat er Konkurrenz, an der es kein Vorbeikommen gibt: Yassine Chikhaoui, Amine Chermiti oder Mario Gavranovic. Im Cupfinal 2014 sitzt Causi auf der Bank, immerhin, und ein Souvenir an den 2:0-Sieg gegen den FC Basel hat er immer noch. Die Siegermedaille hängt in seiner Wohnung in Birmensdorf.

Verletzungen stoppen ihn

2014 zieht er weg aus Zürich, er möchte in Thun einen neuen Anlauf nehmen. Aber er hat erneut Pech: Leistenbruch, Kreuzbandriss, Knorpelschaden - es sind Verletzungen, die für ihn das Signal sind, dass es mit der Laufbahn als Profi nichts mehr wird. Nach einem Jahr ist er wieder in Zürich, schliesst sich YF Juventus an und orientiert sich beruflich neu. Er absolviert eine KV-Lehre und hat nun ein Betriebswirtschaftsstudium aufgenommen. 

Causis Tage sind gut ausgefüllt. Sein Arbeitspensum in einem Büro beträgt 60 Prozent, zwei Abende pro Woche sitzt er in der Schule, drei bis vier Mal trainiert er mit YF Juventus, und vor neun Monaten ist er zum ersten Mal Vater geworden. «Mir wird nie langweilig», sagt der Schweizer mit bosnisch-kosovarischen Wurzeln. 

Bauert: Präsident und Kollege

Körperlich ist er derzeit in starker Verfassung, «vielleicht ist meine Form so gut wie noch nie», sagt er. Der rechte Flügel ist seine Position, die Athletik und seine Schussgewalt zählen zu den grossen Stärken. Eines ist klar: Die Lust, Fussball zu spielen, wird im Alter nicht geringer. «Ich bin extrem hungrig.» Und: Er ist dankbar, vor allem Piero Bauert gegenüber. Der Präsident und Sportchef des Vereins ist für ihn eine Vertrauensperson geworden: «Er hat mich immer unterstützt und gut beraten, nicht nur im sportlichen Bereich. Wenn ich ein Anliegen habe, gehe ich oft auf ihn zu. Er ist nicht nur unser Präsident, sondern auch ein guter Kollege geworden.»

Bleibt noch die Frage: Was ist möglich mit YF Juventus in dieser Saison? «Yverdon ist zweifellos der grosse Favorit auf den Aufstieg», sagt Causi, «dahinter sehe ich einige Teams, die sich auf Augenhöhe begegnen. Wir haben den Anspruch, vorne mitzuspielen in dieser ausgeglichenen und coolen Liga.» Seinen Beitrag will er in Form von möglichst vielen Toren und Assists leisten: «Wenn ich es auf 20 Skorerpunkte bringe, kann ich zufrieden sein.»

(pmb)

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