Arnaud Bühler: «Wir können mit Bavois noch besser werden»

  • 10.11.2021

Nach seiner Profi-Karriere wechselte der 36-jährige Verteidiger 2017 in die Promotion League zum FC Bavois - und fühlt sich im familiären Verein überaus wohl.

Foto: Jean-Luc Auboeuf / La Région
Foto: Jean-Luc Auboeuf / La Région

Jahrelang bestand für Arnaud Bühler der berufliche Alltag aus Fussball. 2002 war er mit der Schweizer U-17-Auswahl Europameister geworden, danach schaffte er den Sprung ins Profigeschäft, bestritt in der Super League über 250 Partien, gewann mit Sion zweimal den Cup (2009 und 2011), aber 2017 stand er auf einmal vor ganz vielen Fragen.

Der Verteidiger hatte eine turbulente Saison bei Wil hinter sich, Monate, in denen türkische Besitzer immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hatten. Das raubte nicht nur Substanz, sondern auch die Lust, weiterzumachen. Also entschied sich Bühler, aufzuhören. Mit 32.

Er fing an, sich Gedanken über seine Zukunft zu machen, und hatte ein paar Ideen. Zum Beispiel hätte er sich vorstellen können, eine Berufsausbildung im Gesundheitswesen zu absolvieren. Aber dann bekam er einen Anruf von Jean-Michel Viquerat, dem Präsidenten des FC Bavois und Unternehmer. Viquerat bot Bühler zwei Dinge an: die sportliche Karriere auf Stufe Promotion League fortzusetzen - und eine Anstellung im Büro seiner Firma, die im Gebäudeautomation, Energiemessung und Wasseraufbereitung tätig ist.

«Eine hervorragende Lebensschule»

Bühler traf sich mit Viquerat und war am Ende des Gesprächs überzeugt vom Plan. Heute sagt er: «Ich bin Jean-Michael Viquerat extrem dankbar. Es ist ein Glücksfall, dass er sich bei mir gemeldet hat.» Auf einmal stand er nicht mehr täglich auf dem Trainingsplatz, sondern sass am Schreibtisch und musste sich in einem völlig neuen Umfeld zurechtfinden. Ihm half dabei das, was er im Sport gelernt hatte: sich durchzubeissen, sich nicht vom Weg abbringen zu lassen, den Willen zu haben, Hürden zu überwinden. «Der Fussball war für mich eine hervorragende Lebensschule», sagt er, «ich profitiere jetzt davon.»

Seit mehr als vier Jahren ist Bühler also nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Spieler des FC Bavois, eines Clubs aus einer kleinen Waadtländer Gemeinde mit knapp tausend Einwohnern. Und dieser FC Bavois steht bereits in seiner sechsten Promotion-League-Saison. Derzeit belegt die Mannschaft Platz 6, und wenn Arnaud Bühler vom Ziel bis nächsten Sommer spricht, sagt er klar: «Wir wollen zu den sechs besten Teams der Liga gehören.»

Mit grossem Ehrgeiz dabei

Es dauerte eine gewisse Zeit, bis Bühler sich daran gewöhnt hatte, dass alles eine Spur kleiner und überschaubarer ist als das, was er als Profi gekannt hatte. Aber er übernahm auch die Rolle des Vorbilds, das die anderen mitreisst und ihnen vormacht, dass er trotz seines klangvollen Namens keiner ist, der sich zurücklehnt. «Wenn ich auf den Platz gehe, tue ich das mit dem Ehrgeiz, um das Spiel zu gewinnen», sagt er, «abgesehen davon: In der Promotion League wird richtig guter Fussball gezeigt. Da kann man sich nicht leisten, mit halber Kraft bei der Sache zu sein.»

Er ist Teil eines Vereins geworden, in dem er die familiäre Atmosphäre ausserordentlich schätzt und in dem «keine Verrücktheiten gemacht werden», wie er das formuliert: «Wir verfügen nicht über ein Budget wie andere und müssen andere Wege finden, um zum Erfolg zu kommen. Aber genau das macht auch den Reiz aus. Wir haben uns Respekt erarbeitet und können noch besser werden. Das Maximum haben wir noch nicht erreicht.» (pmb.)

zurück