1. Liga: 42 Teams starten in die Saison 2021/22

  • 17.08.2021

Für die drei Gruppen der 1. Liga gilt es ab diesem Wochenende ernst. Was sagen Exponenten? Wer hat die grössten Ambitionen? Wer zählt zu den Favoriten?

Vevey-Trainer Caschili: «Der Star ist das Team»

In der Gruppe 1 erwartet der 41-jährige Franzose ein umkämpftes Rennen an der Spitze und sagt: «Wir wollen eine gute Figur abgeben.»

In der Spielzeit 2020/21 dominierte die zweite Mannschaft der Young Boys in der Gruppe 1 und verdiente sich den Aufstieg in die YAPEAL Promotion League. Wenn nun am Samstag die neue Meisterschaft startet, rechnet Christophe Caschili mit mehr Ausgeglichenheit in der Liga und im Rennen um die Qualifikation für die Aufstiegsspiele. Caschili ist seit zwei Jahren Trainer bei Vevey und selber ambitioniert: «Wenn wir nicht mit Ehrgeiz bei der Sache wäre, wofür würden wir dann den Aufwand betreiben?» Bei Vevey ist er in einem Verein tätig, der in den Siebziger- und Achtzigerjahren zeitweise in der Nationalliga A dabei war.

Der 41-jährige Franzose möchte mit Vevey nicht einfach eine Nebenrolle übernehmen. «Wir haben Lust, jeden Match zu gewinnen», sagt er, «wir sind uns natürlich bewusst, dass so etwas kaum möglich ist. Aber wenn wir einen guten Start hinlegen und danach eine Konstanz hinbekommen, können wir einiges erreichen.» Einer der Vorteile: Vevey verzeichnete in der Sommerpause nicht zu viele Wechsel. Nun hat Caschili ein Kader beisammen, von dem er sagt: «Wir haben keine Stars. Der Star ist das Team. Und jeder einzelne zeigt mir, dass er gewillt ist, Fortschritte zu machen.»

Er rechnet damit, dass das Team Vaud, Bulle, Meyrin und auch Lancy die Qualität haben, um am Ende ganz vorne zu sein. Dort möchte natürlich auch der FC Naters Oberwallis landen, in der Westschweizer Gruppe 1 die zweite Mannschaft neben Aufsteiger FC Thun Berner Oberland aus dem deutschsprachigen Raum.

Mit Nikola Vasilic ist ein Traner aus den eigenen Reihen zum Chef des 1.-Liga-Teams befördert worden. Der 32-jährige Kroate soll die Jugend fördern, sagt Präsident Hans Ritz: «Unser Ziel ist es, auf junge Oberwalliser zu setzen und sie zu fördern.» Ausserdem erhofft sich Ritz, dass die Zusammenarbeit mit dem FC Sion verstärkt wird - dank Marco Walker, den Naters im März zu Sion ziehen liess: «Es wäre wünschenswert, wenn durch ihn der Austausch besser funktionieren würde.»

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Schötz-Trainer Felber: «Es gibt einige Fragezeichen»

In der Gruppe 2 wünscht sich der 43-jährige Trainer der Luzerner eine weniger nervenaufreibende Saison. Einer der Konkurrenten: Altmeister Kurt Feuz mit Münsingen.

Roger Felber übernahm den FC Schötz vor einem Jahr - er kehrte zu jenem Verein zurück, für den er früher selber gespielt und sich einen Ruf als kompromissloser Verteidiger erarbeitet hatte. In der vergangenen, abgekürzten Saison sicherte sich der Trainer mit seiner Mannschaft erst in extremis den Ligaerhalt, nun wünscht er sich, dass er nicht mehr so viele Nerven braucht, bis das Ziel erreicht ist. Und dieses Ziel lautet: möglichst schnell nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Der 43-Jährige investiert enorm viel Herzblut in den Job, gemeinsam mit seinem Assistenten Reto Purtschert bildet er ein Duo, das grossen Wert auf akribische Arbeit legt. Felber ist derzeit auch daran, das anspruchsvolle A-Diplom zu erwerben. Das erfordert einen zusätzlichen Aufwand und ist zeitlich mit dem Job und der Familie nicht leicht unter einen Hut zu bringen. Der Trainer aber sagt: «Es ist anstrengend, aber ich bekomme es hin.»

Wenn er die Konstellation in der Gruppe 2 betrachtet, sagt er: «Es gibt einige Fragezeichen. Es sind neue Mannschaften dazugekommen, deren Stärkeverhältnisse wir nicht kennen. Ich glaube, dass wir uns auf eine ausgeglichene Meisterschaft einstellen sollten.» Schötz zählt er nicht zum Kreis der Favoriten, erklärt aber: «Wir müssen vor niemandem Angst haben.»

Einer der Gegner wird Absteiger Münsingen sein - und Kurt Feuz startet in seine 37. und letzte Saison als Trainer der Berner. «Hundertprozentig höre ich auf», versichert der 69-Jährige. Erste Anfragen anderer Klubs hat er zwar erhalten, aber allesamt abgelehnt. Feuz sagte immer wieder, dass die Promotion League für Münsingen eine Stufe zu hoch sei. In der 1. Liga hat er ein Team beisammen, das «charakterlich sensationell» ist und für ihn Motivation genug ist, um noch einmal alle verfügbare Energie einzusetzen: «Wir steigen mit einem sehr guten Gefühl in die Saison. Ich freue mich enorm darauf - und dann auch auf meinen Abschied. Ich habe es langsam gesehen.»

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Linth-Trainer Digenti: «Einen Schritt vorwärts machen»

In der Gruppe 3 strebt der Trainer mit den Glarnern die Aufstiegsspiele an - mit Hilfe einer prominenten Verpflichtung: Markus Neumayr.

Vergangene Saison belegte der FC Linth 04 Platz 3 hinter Wettswil-Bonstetten und Tuggen. Die Zielsetzung für die kommende Meisterschaft: eine Verbesserung. «Einen Schritt vorwärts machen», so formuliert es Trainer Fabio Digenti und fügt an: «Wir wollen die Aufstiegsspiele erreichen. Und wenn sich die Möglichkeit ergäbe, die Promotion League zu erreichen, würde wir nicht ablehnen.»

Der 38-Jährige, als Spieler einst bei GC unter Vertrag, steigt mit den Glarnern in seine dritte Saison. Arbeiten kann er mit einer erfahrenen Mannschaft, und wenn bei Linth von Routine die Rede ist, kommt man an einem Neuzugang nicht vorbei: Markus Neumayr. Der 35-jährige Deutsche verbrachte einen Teil seiner Ausbildung bei Manchester United und brachte es in der Schweiz auf über 100 Super-League-Einsätze. Nun übernimmt er die Rolle des «spielenden Assistenten» bei Linth und soll dadurch Digenti entlasten. 

Die grosse Herausforderung sieht der Trainer in der Defensive: Mit Daniel Feldmann und Levin Schindler sind zwei Routiniers nicht mehr dabei. Aber Digenti, dessen Vertrag noch ein Jahr läuft, sagt: «Wir sind zuversichtlich, dass wir auch da Lösungen finden.»

Einer der stärksten Konkurrenten in der Gruppe 3 mit den Aufsteigern Freienbach (mit Trainer Jürgen Seeberger) und Uzwil ist für Digenti  erneut Wettswil-Bonstetten. Dazu ist für ihn den FC Baden, der zuletzt in der Gruppe 2 spielte, «ein Gewinn». Ranko Jakovljevic, der Trainer der Aargauer, ist grundsätzlich optimistisch. Aber die gute Laune litt am letzten Wochenende, weil Stammgoalie Marvin Hübel im Cup gegen Biel bei einem Zusammenprall Gesichtsverletzungen erlitt und ins Spital eingeliefert werden musste. 

Der 54-jährige Jakovljevic sagt trotzdem, er habe «Ambitionen wie immer». Er, der seit 2018 in der Verantwortung bei Baden steht, möchte im Idealfall den Verein 2022 in die Promotion League führen: «Den Aufstieg im Jahr des 125-jährigen Bestehens des Vereins zu schaffen - es wäre das perfekte Timing.» (pmb.)

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