Aebys Ziel mit Bellinzona: Aufstieg in die Challenge League

  • 09.12.2021

Der 55-jährige Trainer ist beeindruckt von Leader FC Breitenrain. Trotzdem will er am Ende der Saison mit den Tessinern ganz oben stehen.

Foto: Florian Cella / 24 heures
Foto: Florian Cella / 24 heures

Am 9. August endet für Jean-Michel Aeby die Zeit bei Yverdon. Der Trainer, der die Waadtländer zurück in die Challenge League führte, wird nach nur drei Runden entlassen. Aber lange bleibt der 55-Jährige nicht ohne Mannschaft: Noch vor Ende Monat steigt er bei der AC Bellinzona ein.

Für den Genfer ist weder der Ort noch das Stadion eine Unbekannte. 1986 kam er, damals als 21-jähriger Jungprofi, von Etoile Carouge zu den Tessinern und blieb zwei Jahre. Vor allem die erste Saison hat er in bester Erinnerung. Es war die Zeit, in der Bellinzona noch zur Nationalliga A gehörte und das Comunale regelmässig gut gefüllt war.

Die ACB verpflichtete Aeby nun als Trainer, der gleiches realisieren soll wie mit Yverdon: den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse. «Als die Anfrage kam, musste ich nicht lange überlegen», sagt er, «ich hatte Lust und genügend Energie, um diese Aufgabe anzunehmen.»

Anerkennung für Breitenrain

In den bisherigen 15 Partien sammelte das Team 30 Punkte und überwintert als erster Verfolger des unangefochtenen FC Breitenrain. Der Leader verlor seit dem Sommer kein einziges Mal und erarbeitete sich einen Vorsprung von 10 Punkten. Dafür gibt es auch von der Konkurrenz anerkennende Worte. «Nach den ersten Siegen von Breitenrain dachten viele noch, das sei eine Überraschung», sagt Aeby, «aber das ist es längst nicht mehr. Die Berner leisten einfach richtig starke Arbeit und treten als echte Einheit auf. Das ist zweifellos beeindruckend.»

Trotzdem halten sie in Bellinzona an ihrem grossen Ziel fest: Im Frühjahr 2022 soll der Abstand sukzessive verringert werden - und am Ende der Saison der Aufstieg stehen. Aeby spürt, wie gross die Sehnsucht in der Stadt ist, zumindest wieder in der Challenge League dabei zu sein. «Der Stellenwert des Fussballs in Bellinzona ist sehr hoch», sagt er, «wir sind der grösste und wichtigste Verein, man spricht über uns.»

Das Kader soll ergänzt werden

Für Aeby, der João Paiva ablöste, sind die hohen Erwartungen kein Problem. Er kennt das nicht zuletzt aus Yverdon, und er ist ein Trainer, der von sich sagt: «Ich bin sehr ehrgeizig und strebe den maximalen Erfolg an. Das ist in diesem Fall der Aufstieg.» Wobei ihm sehr wohl bewusst ist, um was für eine Herausforderung es sich handelt. Zum einen gilt es, Breitenrain einzuholen; zum andern melden Clubs wie Stade Nyonnais oder auch Chiasso Ambitionen an: «Es liegt einiges an Arbeit vor uns.»

Am Kader sollen in der Winterpause «zwei, drei Retuschen» vorgenommen werden, so formuliert es Aeby: «Wir haben bereits eine starke Mannschaft, wollen aber versuchen, uns noch eine Spur breiter aufzustellen.»

Flexibilität ist gefordert

Vorläufig bis Ende Saison 2021/22 ist der Vertrag befristet. Was danach ist, weiss Aeby noch nicht. «Ich lebe im Hier und Jetzt», sagt er, «als Trainer muss ich flexibel sein.» Und: «Ich mag es, zu arbeiten. Nach dem Ende meiner Tätigkeit in Yverdon wollte ich nicht einfach daheim bleiben und auf dem Sofa sitzen.» Also arbeitet er derzeit im Süden des Landes - und fährt, so oft es geht, quer durch die Schweiz, um bei seiner Familie in Genf zu sein.

Jean-Michel Aeby hat schon manche Station hinter sich und schon manches Team in eine höhere Liga geführt. Seine Reise ist noch längst nicht zu Ende: «Ich bin noch zu jung, um aufzuhören. Ich möchte den Traum, noch einmal einen Verein in der Swiss Football League zu betreuen, in die Realität umsetzen.» (pmb.)

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