Fotocredits: Facebook FC Concordia Basel
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Das Vorbild bei Concordia Basel ist 40 Jahre jung

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29.09.2023 04:41

Das Vorbild bei Concordia Basel ist 40 Jahre jung

«Congeli» bildet aktuell die erfolgreichste Mannschaft in der 1. Liga Classic. Auch dank dem neuen Trainer Samir Tabakovic und Königstransfer François Marque.

Es war eine jener Partien, die für ein Team Signalwirkung haben können - in die eine oder in die andere Richtung. Der noch ungeschlagene FC Concordia Basel empfing am vergangenen Samstag den noch sieglosen FC Muri, und auf der Anzeigetafel deutete lange nichts darauf hin, dass die beiden Teams in der Tabelle der noch jungen Meisterschaft bereits durch 15 Punkte getrennt waren. 1:1 lautete das Skore, und die Nachspielzeit war schon weit fortgeschritten, als doch noch das erlösende 2:1 für das Heimteam fiel. Mihael Validzic war der Torschütze.

Riesig die Enttäuschung bei den Freiämtern, ebenso gross die Freude zu St. Jakob und die Erleichterung bei Samir Tabakovic. Was der Trainer immer wieder gepredigt hatte, hatte in dieser Situation zusätzliches Gewicht erhalten: «Ein Tor kann in der ersten Minute fallen oder in der 95. Minute, die Spieler müssen in jeder Sekunde an ihre Chance glauben.» Diesmal war es Minute 94 gewesen und für Tabakovic die Erkenntnis, dass seine Worte auf offene Ohren gestossen sind: «Die Spieler haben sich selber für diesen Glauben belohnt.»

Schon fünf Tore nach der 90. Minute erzielt

Wer die bisherigen acht Partien etwas genauer analysiert, sieht, dass Concordia tatsächlich in jeder Phase gefährlich ist und in der zweiten Halbzeit oft noch zulegen kann. 12 der 21 Treffer gelangen nach der Pause, rekordverdächtig ist auch der Wert der Erfolgserlebnisse nach der 90. Minute: fünf. Inspiriert zeigen sich jeweils auch die Einwechselspieler, und das freut Tabakovic besonders: «Ich vertraue jedem einzelnen meiner Spieler.»

Aus 15 Punkten Vorsprung auf den FC Muri sind durch den Last-Minute-Sieg deren 18 geworden. Zahlenmässig stellt Concordia das erfolgreichste Team über alle drei Gruppen der 1. Liga Classic: sechs Siege, zwei Unentschieden und null Niederlagen - einzig der FC Grand-Saconnex in Gruppe 1 ist ebenfalls noch ungeschlagen. Dazu haben die Basler ligaweit am zweitmeisten Tore erzielt und am zweitwenigsten Treffer erhalten - besser geht es kaum. Tabakovic gefällt aber etwas anderes noch fast mehr: «Ich freue mich vor allem darüber, wie mein Team in jedem Training Vollgas gibt.»

Im Sommer erst war der 55-jährige ex-Profi mit Vergangenheit beim FC Basel und Waldhof Mannheim und heutige Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz zu «Congeli» gekommen. Unter Vorgänger Nikola Marunic, der nun die U-19 der Grasshoppers betreut, wurde die Teilnahme an den Aufstiegsspielen nur hauchdünn verpasst. Concordias Team ist sehr jung, die jüngsten Hoffnungsträger sind noch im U-18-Alter. Tabakovic will seinen Schützlingen seine Vorstellung von Fussball vermitteln, in der Ballbesitz und Fokus auf die eigenen Fähigkeiten eine wichtige Rolle einnehmen. «Wir wollen uns auf uns konzentrieren, nicht auf den Gegner», sagt der Coach. Die bisherigen guten Resultate sollen auf die Ausrichtung keinen Einfluss haben: «Druck vom Verein verspüren wir absolut nicht, wir wollen einfach in der Tabelle weiterhin so weit oben wie möglich dastehen.» Der Aufstieg, er soll irgendwann in den nächsten drei Jahren zum Thema werden.
 
«Körperlich ist er unglaublich parat»

Dass die Balance im Kader stimmt, liegt auch am unbestrittenen Königstransfer François Marque. An den Franzosen erinnern sich viele Fussball-Experten: Zwischen 2007 und 2010 stabilisierte er beim FC Basel die Innenverteidigung, einst wurde er nach einem Champions-League-Gastspiel beim FC Barcelona (1:1) sogar zum Basler Mann des Spiels gewählt.

François Marque ist heute 40, aber immer noch ein Musterprofi. Tabakovic, der ihn kennt, seit er die Black Stars trainierte und Marque bei Stade Nyonnais spielte, ist voll des Lobes: «François ist enorm wertvoll. Er hat einen sehr positiven Einfluss auf die jungen Spieler und stabilisiert unsere sehr junge Verteidigung sehr.» Zudem gehe er bei jedem Training mit gutem Beispiel voran: «Körperlich ist er unglaublich parat.»

Concordia Basel ist ein klassischer Ausbildungsverein mit einem hierzulande seltenen Erfolgsausweis. Auch wenn mit dem ehemaligen Junioren Roger Federer das berühmteste Klubmitglied in einer anderen Sportart zum Weltstar wurde, ist die Liste an ehemaligen Concordia-Spielern mit grossem Fussball-Palmarès illuster: Karli Odermatt, die Gebrüder Murat und Hakan Yakin sowie Marco Streller oder Yann Sommer sind nur einige von ihnen. Tabakovic glaubt, dass weitere Nachwuchskräfte den Klub als Sprungbrett nutzen werden: «Wir haben einige Spieler, denen ich durchaus den Sprung in höhere Ligen zutraue.» Angenehmer Nebeneffekt wären einige Franken in die Klubkasse aufgrund der Ausbildungsentschädigung.

In den nächsten Partien wird sich zeigen, wie weit das junge Team schon ist. Zuerst geht es zum langsam stärker werdenden Emmenbrücke, danach folgt der Spitzenkampf gegen Solothurn, ehe schliesslich die Reise nach Bassecourt ansteht. Zumindest kurzfristig fehlen wird dabei Marque wegen einer Oberschenkelverletzung. Tabakovic geht damit pragmatisch um: «Natürlich werden wir seine Absenz spüren, aber das ist auch eine Chance für andere Spieler.» (mke)