Vevey United im Aufwind

  • 04.09.2019

Der ehemalige Nationalliga-A-Verein hat ein treues Publikum - und mit Christophe Caschili einen Trainer, den Präsident William von Stockalper als Idealbesetzung bezeichnet.

Christophe Caschili ist im Element, er redet am Tag nach dem 0:0 in La Chaux-de-Fonds über seine Arbeit beim FC Vevey United, und zum Ausdruck bringt der 39-jährige Trainer seine Leidenschaft für diese Aufgabe. Seit diesem Sommer ist der Franzose mit italienischen Wurzeln beim Erstligisten im Amt, angestellt mit einem 100-Prozent-Pensum, und entsprechend legt er Wert auf Professionalität. Trainingseinheiten lässt er filmen, Spiele des Gegners ebenfalls, er setzt das Mittel Video immer und immer wieder ein. Die eigenen Fussballer besser machen, sie auf den Gegner einstimmen – «da helfen bewegte Bilder».

Sein Club ist kein gewöhnlicher, sondern einer mit reicher Geschichte. In den Siebziger- und Achtzigerjahren gehörte Vevey zeitweise zur damaligen Nationalliga A. Bekannte Namen wie Claudio Sulser, Metin Sengör, Yves Débonnaire, Gabet Chapuisat, Hans Franz oder Mario Malnati trugen einst das Trikot, und wer der älteren Garde erinnert sich nicht an die Trainer Paul Garbani oder Miroslav Blazevic?

1987 stieg Vevey aus der 16er-Liga ab. Geblieben ist dem Club sein enges Stadion, das Stade de Copet mit einer Kapazität von 4800 Plätzen. Zu kämpfen hatte er mit finanziellen Problemen, die 2005 im Konkurs mündeten. Vevey musste in der regionalen 2. Liga neu beginnen.

Nun präsentiert sich der Verein aber wieder in einer deutlich besseren Verfassung. Vor sieben Jahren liess sich der gebürtige Walliser William von Stockalper zum Präsidenten wählen, der 40-jährige Unternehmer aus der Region ist ein Cousin des ehemaligen Basketball-Profis Dan Stockalper (der sich ohne «von» schreibt). Vevey hat sich zurück in die 1. Liga gekämpft - und hat den Ehrgeiz, dass der Weg noch weiter nach oben führt.

Der gezeigte Fussball kommt beim Publikum gut an, in der vergangenen Saison betrug der Schnitt bei Heimspielen 560 Zuschauer. Und wenn es auf Reisen geht, ist der Fanclub stets präsent. «Auch diesen Leuten gegenüber sind wir verpflichtet, Erfolg zu haben», sagt Caschili. Präsident Von Stockalper stellt zufrieden fest, dass die Entwicklung durchwegs positiv ist: «Wir wachsen stetig. Wenn sich die Möglichkeit bietet, in die Promotion League aufzusteigen, wollen wir sie packen.» Hat er das Fernziel Challenge League? «Träumen darf man immer, soll man auch, aber man sollte trotz allem ein bisschen Vorsicht walten lassen.» Das deckt sich mit dem, was Caschili sagt: «Wir sollten nicht zu weit voraus denken, sondern uns nur auf das konzentrieren, was derzeit ansteht. Im Sport ist es so: Aufwand wird belohnt.»

Caschili, für den Trainer wie Marcello Lippi, Carlo Ancelotti oder Jürgen Klopp inspirierende Figuren sind, sagt: «Ich tue alles, was möglich ist, damit es Vevey gutgeht. So funktioniert auch mein Assistent, so denken auch die Spieler.» Das passt auch zum Stil, den er bevorzugt: «Wir wollen nie aufhören, anzugreifen und mit Hingabe bei der Sache zu sein.»

Für William von Stockalper ist Caschili der «ideale Coach» einer Mannschaft, die seit 2018  unter dem Namen FC Vevey United firmiert, für die ein Budget von 450’000 Franken pro Jahr zur Verfügung steht und bei der vier Spieler Profis sind. Der Start in die neue Saison ist jedenfalls schon einmal ganz ordentlich verlaufen. Vevey belegt nach fünf Runden mit zehn Punkten Tabellenplatz 2 hinter dem FC Bulle (13) - einem anderen Verein, der in den Achtzigerjahren in der Nationalliga A dabei war.

(pmb)

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