Thomas Jent: «Es soll wieder positiv über uns geredet werden»

  • 11.09.2019

Thomas Jent will mit dem FC Wohlen in der 2. Hauptrunde des Helevtia Schweizer Cup den FC Luzern in Schwierigkeiten bringen. Ambitionierte Ziele hat der 48-Jährige auch in der 1.-Liga-Saison.

Es naht ein Wochenende, das anders sein wird als die bisherigen in dieser Saison und vielleicht einzigartig bleiben wird: Die 1.-Liga-Fussballer des FC Wohlen erwarten den FC Luzern im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups. Der Verein rechnet mit mindestens 2500 Zuschauern und hofft auf 3500. Das Stadion Niedermatten bereitet sich auf einen Sonntag mit viel Betrieb vor – und Thomas Jent stimmt seine Mannschaft auf eine Aufgabe ein, die nicht ganz so einfach ist. Aber der Trainer sagte seinen Spielern: «Geniesst diese Tage, geniesst dieses Spiel.» Und: «Auch wenn der Gegner in der Super League daheim ist: Wenn wir auf den Platz gehen, wollen wir gewinnen. Wir sind in der Lage, den Luzernern wehzutun.»

Der 48-jährige Jent ist seit März dieses Jahres im Amt. Er übernahm die Mannschaft in der Promotion League, aber zu retten war sie nicht mehr. Im Sommer stieg Wohlen in die 1. Liga Classic ab - ein Jahr nach dem freiwilligen Rückzug aus der Challenge League.

Jent, zu 70 Prozent als Projektleiter bei einer Softwarefirma angestellt, baute mit Blick auf diese Meisterschaft praktisch eine neue Mannschaft auf. Er achtete dabei vor allem darauf, dass sich eine Einheit ergibt: «Wir haben sehr gute Individualisten, das schon, aber in der Gruppe herrscht ein hervorragender Zusammenhalt. Wenn ich eine Stärke hervorheben muss, dann nenne ich nicht einen einzelnen Namen, sondern das Kollektiv.»

Der Trainer stammt aus Seon, lebt immer noch in der Aargauer Gemeinde im Seetal, hat aber schon einige Stationen hinter sich. Jent, der seine aktive Laufbahn wegen einer Diskushernie früh beenden musste, begann bei seinem Stammverein eher zum Plausch, weil Kollegen ihn darum baten, ihr Coach zu sein. Das brachte ihn auf den Geschmack: Jent stieg beim SC Zofingen als Juniorentrainer ein, es folgten Stationen bei Wacker Grenchen, Bassersdorf, Baden (Nachwuchs), Emmenbrücke und drei Jahre Baden (jeweils 1. Liga).

Als sich Wohlen meldete, war Jent sofort verfügbar, um die Nachfolge des entlassenen Piu Nascimento anzutreten. Er hatte in jener Phase seit einem Jahr kein Team mehr betreut. Bis Ende Saison sollte sein Engagement dauern, aber im Mai wurde aus der interimistischen eine dauerhafte Lösung. Die Aufgabe ist für Jent nicht einfach eine Freizeitbeschäftigung, nein, er investiert ganz viel Zeit. Bis zu 40 Stunden können es pro Woche sein, weil er akribisch die vier wöchentlichen Trainings vorbereitet, Videos analysiert und nach Partien mit dem FCW nach Möglichkeit immer auch den nächsten Gegner selber beobachtet.

Natürlich hat er Ambitionen, natürlich möchte er Wohlen in absehbarer Zeit in die Promotion League zurückbringen. Der Start ist mit 12 Punkten in 6 Spielen schon einmal gelungen, der Rückstand auf Leader Biel beträgt nur 2 Punkte. Der dreifache Familienvater Jent wähnt sich mit seiner Mannschaft «auf dem richtigen Weg», er wünscht, dass «wieder positiv über den FC Wohlen geredet wird».

Der Chef auf dem Feld ist der 34-jährige Marko Muslin, der eine lange Vergangenheit als Profi hat. «Es war unheimlich wichtig, dass er uns nach dem Abstieg erhalten blieb», sagt Jent, «wir haben viele Junge, die manchmal etwas Flausen im Kopf haben. Da tut ein Routinier an ihrer Seite ganz gut.» Muslin ist physisch immer noch auf der Höhe, er legt pro Match regelmässig zwölf Kilometer zurück. Gar noch weitere Wege geht der Deutsche Ronny Minkwitz: Der 25-Jährige bringt es auf durchschnittlich 12,5 Kilometer.

Die Qualität des Kaders hält Jent für gut genug, um sagen zu können: «Wenn wir gegen Luzern lange das 0:0 halten, dann...» Er bricht ab und verabschiedet sich mit einem Lächeln zum Training.

(pmb)

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