Promotion League: Überraschung in Yverdon, Ruhe in Münsingen

  • 20.11.2019

Yverdon-Sport, der unangefochtene Leader der Promotion League, trennte sich von Trainer Anthony Braizat. Dafür ist beim Tabellenletzten Münsingen trotz prekärer Situation keine Nervosität auszumachen. Es ist Zeit für eine Bilanz der Vorrunde, die am Samstag mit den letzten zwei Spielen abgeschlossen wird.

Yverdon ist der souveräne Leader der Promotion league. Der Verein mit Vergangenheit in der Nationalliga A ist auf Kurs Richtung Challenge League: 17 Spiele, 38 Punkte, 7 mehr als der erste Verfolger aus Rapperswil. Dazu: mit Abstand am meisten Tore der Liga erzielt (45), am wenigsten erhalten (15). Alles in Ordnung also. Tatsächlich? Nicht ganz. Am Tag nach dem 1:1 daheim gegen Stade Nyonnais überraschte Präsident Mario Di Pietrantonio mit der Nachricht, dass Anthony Braizat per sofort nicht mehr Trainer ist. «Es war ein Vergnügen, mit ihm zu arbeiten», sagte Di Pietrantonio, «trotzdem hatte ich das Gefühl, dass wir nach drei Jahren am Ende eines Zyklus angelangt sind.»

Braizat zeigte sich sehr erstaunt, auch enttäuscht, weil er sich nichts vorwerfen lassen muss: «Ich weiss nicht, wieso ich nicht weitermachen darf. Aber ich habe keine Wahl und muss die Entscheidung akzeptieren.» Spätestens bis Ende Jahr soll sein Nachfolger bestimmt sein. Und dessen Auftrag ist klar: Er muss die Waadtländer in die Challenge League bringen.

Stabiler Verfolger

Rapperswil-Jona, der Absteiger aus der Challenge League, hatte einen grossen personellen Umbruch zu bewältigen. Und steigerte sich nach einem harzigen Start immer mehr. Sportchef Stefan Flühmann sag: «Wir haben uns stabilisiert und sind punktemässig im Soll.» Die St. Galler haben die Ambition, in die nationale Zweitklassigkeit zurückkehren - allerdings muss dies nicht am Ende dieser Saison geschehen. Das hat nichts mit übergrosser Vorsicht zu tun, sondern damit, dass Yverdon der Konkurrenz entrückt ist. «Bis in zwei, drei Jahren wollen wir das Ziel aber erreicht haben», sagt Flühmann.

Die Winterpause ist zwar angebrochen, aber die Rapperswiler stellen den Trainingsbetrieb deswegen nicht bis Anfang 2020 ein. Erst am 5. Dezember wird das für Spieler und Trainer der Fall sein - bis dahin stehen Testspiele auf dem Programm. Das ergibt für Flühmann durchaus Sinn: «Die Pause wäre sonst zu lang. Wir wollen einigermassen im Rhythmus bleiben.»

Hervorragend halten sich die beiden Aufsteiger Etoile Carouge und Black Stars. Die Genfer belegen mit einem Punkt Rückstand auf Rapperswil Platz 3, die Basler folgen gleich danach als Vierte. Ihr Rückstand auf den zweiten Rang beträgt lediglich zwei Punkte. Im Abstiegskampf könnte es für einige Teams eng werden. Zwischen dem Achten (Breitenrain) und dem Fünfzehnten (YF Juventus) liegen nur sieben Punkte.

Besonnene Münsinger

Ganz unten in der Tabelle sieht es für den FC Münsingen düster aus. 9 Punkte hat er auf seinem Konto, YF Juventus ist schon 6 Punkte entfernt, Bavois gar 7. Aber trotz prekärer Situation käme in Münsingen niemand auf die Idee, sich vom Trainer zu trennen. Weil dieser Mann eine Institution ist: Kurt Feuz (67) ist seit 35 Jahren der Coach. Und er hat bereits für weitere zwei Jahre zugesagt. «Bei uns herrscht in der Tat absolute Ruhe», meldet er nun und klingt überhaupt nicht genervt: «Wir wussten, dass uns eine schwierige Saison bevorsteht, weil wir gerade in der Defensive gute Leute verloren haben. Im vergangenen Jahr konnten wir noch einige Partien, die auf der Kippe standen, für uns entscheiden. Dieses Glück hatten wir nun nicht mehr.»

Feuz macht sich keine falschen Hoffnungen. Er weiss, dass es ein kompliziertes Unterfangen wird, Münsingen in der Promotion League zu halten. Aber eines ist für ihn klar: Es werden keine abenteuerliche Massnahmen ergriffen, um die Wahrscheinlichkeit eines Ligaerhalts leicht zu erhöhen. Oder wie er es formuliert: «Wir machen keine dummen Sachen.» Das heisst: «Wir verpflichten in der Winterpause nicht Spieler mit dem Risiko, dass ein Loch in der Kasse entsteht.» Und was, wenn die Berner den Gang in die 1. Liga antreten müssen? Antwort Feuz: «Dann wäre das schade, aber der FC Münsingen lebt weiter. Ausserdem haben einige Arrivierte erklärt, dass sie auch in diesem Fall dem Club die Treue halten würden.»

Goalgetter: Magnetti führt

Yverdon ist weit voraus, aber der beste Torschütze kommt nicht aus dem Westen der Schweiz, sondern aus dem Süden. Gaston Orlando Magnetti heisst der 34-jährige Stürmer aus Argentinien, der für die AC Bellinzona bislang zwölf Mal getroffen hat. Dahinter folgen Oscar Correia von Etoile Carouge (11) und Adrian Alvarez von Bavois (10).

(pmb)

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