Naters Oberwallis: Marco Walker will Werbung machen

  • 18.09.2019

Der 49-jährige Marco Walker ist seit Sommer Cheftrainer beim FC Naters Oberwallis. Als Inhaber der UEFA-Pro-Lizenz hat er Ambitionen in seinem Job.

Wer Marco Walker sagt, denkt sofort: FC Basel. Er war der Mann, der nie im Mittelpunkt stand, sondern seine Arbeit im Hintergrund verrichtete, meist trug er dabei kurze Hosen, egal wie das Wetter auch gerade war. Der gebürtige Solothurner, einst auch in der Bundesliga bei 1860 München und Mainz 05 unter Vertrag, fing 2005 bei den Baslern im Nachwuchsbereich an und hatte bis 2018 verschiedene Funktionen: Assistenzcoach, Konditionstrainer oder Talentmanager.

Seit diesem Sommer ist der 49-Jährige Chefcoach - nicht in der Nordwestschweiz, sondern im Wallis. Nicht in der Super League, sondern in der 1. Liga. Er hat beim FC Naters Oberwallis vorerst einen Einjahresvertrag erhalten und sieht das als ideale Gelegenheit «zu zeigen, dass ich auch als Trainer in der Hauptverantwortung funktionieren kann». Walker möchte das Image des ewigen Assistenten abstreifen und als Inhaber der UEFA-Pro-Lizenz irgendwann in höhere Ligen vordringen - wobei Walker sich auch vorstellen kann, einen attraktiven Job als rechte Hand eines Cheftrainers anzunehmen. So gesehen läuft also die Zeit, in der er auch Werbung für sich machen kann. Walker zieht eine positive Zwischenbilanz. Naters belegt nach sieben Runden in der Gruppe 1 Platz 5.

In Naters ist er mit dem Vorteil gestartet, dass er sich nicht zuerst an die Region und eine neue Mentalität gewöhnen musste. Seine Partnerin stammt aus dem Oberwallis, und Anfang 2019 zog Walker zu ihr. Zuvor hatte er sich - nach einem kurzen Gastspiel beim FC Aarau - eine längere Auszeit gegönnt. Er merkte, wie leer die Batterien waren: «Ich brauchte zwingend eine Pause.» Fussball war danach vorübergehend nicht mehr das prioritäre Thema für ihn. Er verfolgte das Geschehen, gewann aber doch Distanz.

Im Frühjahr kehrte die Lust zurück, eine Aufgabe zu zu übernehmen. Und als sie in Naters einen neuen Trainer für die Saison 2019/20 suchten, meldete Walker bei Jean-Paul Brigger sein Interesse an. Der frühere Nationalspieler und einstige Verwaltungsrat des FC Basel amtet nun als Sportchef in Naters - und tatsächlich bekam Walker den Zuschlag.

Walker tauchte in eine andere Welt ein als jene, die er bisher in diesem Geschäft kennengelernt hatte. Seinen Spielern wird nicht alles abgenommen, er als Trainer muss sich auch um Dinge kümmern, für die in der Super League andere Mitarbeiter zuständig wären. Und doch sagt er: «Wir haben eine hervorragende Infrastruktur, eine Mannschaft, die mitzieht - und alles in allem ein sehr interessantes Projekt.»

Noch lässt er eine gewisse Vorsicht walten, wenn er davon spricht, man wolle nichts mit dem Abstieg zu tun haben, sondern sich «im vorderen Mittelfeld etablieren». Gleichzeitig kommt er aus dem Profi-Bereich und bringt gerade aus Basel die Mentalität mit, siegen zu wollen, Erfolge zu feiern. Also denkt er auch an die Promotion League: «Mittelfristig muss das für einen solchen Verein ein Ziel sein.» Das ist auch die Ambition von Hans Ritz, der den Club als Präsident führt - und dessen direkte Art Walker schätzt: «Er sagt, was Sache ist, und sein Engagement für den FC Naters ist beeindruckend.»

(pmb)

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