Der Präsident richtet den Fokus auf die neue Saison

  • 25.05.2020

Wann die neue Saison in der Promotion League und 1. Liga startet, ist noch offen. Präsident Romano Clavadetscher schaut dennoch optimistisch in die Zukunft.

Romano Clavadetscher hätte in diesen Tagen und Wochen eine gut gefüllte Agenda, wenn die Welt wegen eines Virus nicht aus dem Gleichgewicht geraten wäre. Hinter dem Präsidenten und dem Komitee der Ersten Liga läge das Wochenende mit dem letzten Spieltag der Promotion League und 1. Liga - und es stünden spannende Tage bevor: mit Aufstiegsspielen, mit der EURO 2020: die Saisonhöhepunkte in der Schweiz und in Europa.

Stattdessen aber beschäftigt sich der 56-Jährige gezwungenermassen mit anderen Dingen, abseits des Rasens. Die Entscheide des Bundesrates und deren Auswirkungen auf den Fussball wurden mit dem SFV verfolgt und laufend analysiert. Fussball findet in der Schweiz seit Anfang März nicht mehr statt, auf Stufe Erste Liga ist offen, wann nach dem Abbruch der Saison 2019/20 die nächste Spielzeit lanciert werden kann. Clavadetscher sagt: «Natürlich fehlt uns allen der Fussball. Wir haben eine sehr detaillierte Analyse erstellt: Unter Berücksichtigung sämtlicher Faktoren gab es keine andere Wahl: Eine Fortsetzung des Spielbetriebs hätte keinerlei Sinn gemacht.»

Dass sich mit Yverdon und Rapperswil-Jona zwei Klubs der Promotion League gegen diesen Entscheid wehren und deswegen an das Tribunal Arbitral du Sport (TAS) gelangt sind, nimmt Clavadetscher zur Kenntnis. Im März hatte er noch Hoffnung, dass im Mai die Pause beendet und eine Rückkehr in den Alltag realistisch sein würde. Dass daraus nichts wurde, bedauert er. Und er kann auch nachvollziehen, dass der Abbruch bei gewissen Vereinen keine Freude auslöste. Letztendlich geht es jedoch um übergeordnete Interessen und er hält noch einmal fest: «Ein geregelter, fairer Wettbewerb in der ganzen Schweiz wäre schlicht nicht möglich gewesen.»

Auch wenn die TAS-Entscheide noch einen Einfluss haben können, treibt Clavadetscher die Planung der neuen Saison voran. Noch offen ist, wann der Start erfolgt - denkbar ist, dass es in diesem Jahr erst später losgeht. Immer wieder erhält er Anrufe von Klubvertretern, die vom Präsidenten gerne verbindliche zeitliche Angaben hören möchten. Clavadetscher muss alle vertrösten: «Wir hoffen selber darauf, bald Klarheit von Seiten der Behörden zu bekommen, um konkret planen zu können. Und wir wollen den Vereinen genügend Zeit für die Vorbereitung der neuen Saison geben.» Gut unterwegs ist die Erste Liga mit dem Spielplan. Sobald der Termin für den Start steht, wird der Plan finalisiert, wie jedes Jahr inklusive allfälliger Wünsche der Klubs.

Romano Clavadetscher, der ehemalige 1.-Liga-Fussballer von Concordia Basel glaubt, dass die Krise Spuren hinterlassen, die Erste Liga aber nicht in ihren Grundfesten erschüttern wird. Und dass in der Schweiz - auch aus finanziellen Gründen - generell das Bewusstsein geschärft wird, noch stärker auf die Förderung junger Talente und die Ausbildung zu setzen: «Ich sehe das als Chance für unser Land. Wir haben bis jetzt gute Arbeit geleistet, können und müssen uns weiter verbessern. Die Erste Liga wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, indem sie jungen Spielern, Trainer und Schiedsrichter Einsätze auf ausgezeichnetem sportlichen Niveau bietet.»

Stichwort Zukunft: Clavadetscher hat sich vorgenommen, den Blick nach vorne zu richten. Er macht trotz vieler Fragezeichen einen sachlichen Eindruck. «Wichtig ist, dass der Ball bald wieder rollt», sagt er, bevor er anfügt: «Am liebsten bei optimalen Bedingungen und mit Zuschauern.» Dafür will er zusammen mit seinem Komitee alles tun und freut sich auf viele interessante Begegnungen und Diskussionen auf den Fussballplätzen. Dann kann auch er seinen Fussballhunger endlich wieder so stillen, wie er das am liebsten tut.

(pmb)

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