Der FC Linth 04 und seine Glücksgriffe

  • 04.11.2019

Der Glarner Erstligist FC Linth 04 wird von Präsident Erich Fischli seit 15 Jahren geführt. Seit diesem Sommer heisst der Trainer Fabio Digenti, und der 36-Jährige schwärmt vom Zusammenhalt im Team.

Erich Fischli ist ein Mann der ersten Stunde. Und kein Freund von Halbherzigkeiten. Als sich der FC Niederurnen und der FC Näfels 2004 zum FC Linth 04 zusammenschlossen, übernahm der Treuhänder aus Glarus das Präsidium beim damaligen Drittligisten. Er führt den Verein heute noch, womit wir schon bei einer der Charaktereigenschaften des 67-Jährigen sind: Wenn er etwas anpackt, dann mit voller Kraft.

Aus Linth ist ein Erstligist geworden mit einem Chef in der Vereinsleitung, der unverblümt sagt: «Wir wollen an der Spitze mithalten und nach Möglichkeit die Aufstiegsspiele erreichen. Irgendwo im Mittelfeld dümpeln, nein, lieber nicht. Da fehlen der Reiz und die Spannung. Es soll nicht langweilig werden.»

Der Club stieg 2018 in die 1. Liga auf, der frühere GC-Profi Roland Schwegler war als Trainer einer der Baumeister. Als er in diesem Sommer zum SC Cham wechselte und damit in die Promotion League, folgte bei Linth auf ihn einer, mit dem er 2003 bei GC Meister geworden war: Fabio Digenti. Er gehörte damals als Jungspund zum Kader und kam zu einigen Einsatzminuten.

Der grosse Durchbruch blieb ihm zwar verwehrt, aber dem Fussball blieb er treu. Der heute 36-Jährige begann mit der Trainerausbildung, hat die Prüfungen fürs A-Diplom abgelegt und hofft auf positiven Bescheid Mitte Dezember. Denn Digenti, der als Kundenberater bei der Credit Suisse arbeitet, hat durchaus Ambitionen. «Der Ehrgeiz, als Trainer vorwärts zu kommen, ist gross», sagt er. Mit Linth ist der derzeit darum bemüht, den Kontakt zur Spitze mit Leader Tuggen und Verfolger Winterthur nicht ganz abreissen zu lassen. Nach dem 3:1 am Sonntag gegen Gossau belegt er mit seinem Team Platz 4 in der Gruppe 3. Der Abstand zu Leader Tuggen beträgt nach 13 Runden 8 Punkte.

Hinter sich hat Linth auch ein Highlight in einem anderen Wettbewerb. Vergangene Woche war der FC Sion im Cup-Achtelfinal zu Gast, und die Glarner zogen sich vor 2700 Zuschauern in Glarus mit einem bemerkenswerten Auftritt aus der Affäre. Am Ende verloren sie gegen den 13-fachen Cupsieger nur 0:2. Digenti nannte den Abend «ein Highlight», und auch Fischli gefiel der Auftritt, obwohl er vor dem Match eine mutige Prognose gewagt hatte: «Wir setzen uns gegen Sion durch.»

Digenti kann auch auf Routiniers setzen, die Erfahrung aus höheren Ligen mitbringen. Pascal Thrier ist einer von ihnen, der 35-Jährige verteidigte früher unter anderem für St. Gallen, Lugano, Winterthur, Aarau und Schaffhausen. Über ihn sagt Präsident Fischli: «Wenn ich manchmal Spiele aus der Super League sehe, denke ich: Pasci könnte da auch noch mithalten und mit seinem Charakter ein Vorbild für alle jungen Fussballer sein.» Ausserdem verfügt Linth über einen Weltmeister: André Gonçalves. Der erst 27-Jährige, der mit der Schweizer U-17 vor zehn Jahren den Titel in Nigeria errang, zog zurück ins Glarnerland, arbeitet als Kaufmännischer Angestellter und ist für Fischli «ein Glücksgriff wie Thrier».

Lob gibt es auch für Trainer Fabio Digenti vom Chef: «Sein Vorgänger Roland Schwegler lieferte hervorragende Arbeit ab. Fabio brachte neue Ideen mit und ist sehr kommunikativ. Mit ihm war ein nahtloser Übergang gewährleistet.» Digenti, der einen Vertrag bis 2021 hat, hebt den Zusammenhalt in der Mannschaft als eine der grössten Stärken hervor: «Das sind ausnahmslos bodenständige Spieler, die für den Erfolg des FC Linth die persönlichen Interessen zurückstellen.»

Am kommenden Samstag endet Teil 1 der Saison 2019/20 mit dem Heimspiel gegen Eschen/Mauren. Auf ein Trainingslager in der Winterpause verzichten die Glarner. Präsident Fischli hat auch schon die Erfahrung gemacht, «dass wir irgendwo bei besten Bedingungen eine Woche trainierten - aber danach mussten wir auf sehr tiefen Böden antreten und taten uns schwer. Dafür muss man nicht in ein Trainingslager, das zudem noch viel kostet».

(pmb / Bild: Keystone-SDA)

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