1. Liga: Ehrgeiz in allen Tabellenregionen

  • 27.02.2020

Mehrere Clubs der 1. Liga geben vor dem Start der Rückrunde 2019/20 klare Statements ab: Die einen streben die Qualifikation für die Aufstiegsspiele; andere, die in schwieriger Lage stecken, lehnen sich gegen den Abstieg auf.

Gruppe 1: Vaud U-21 mit Lust, aber ohne Druck

Das Team Vaud U-21 hat sich in den ersten 14 Runden einen 3-Punkte-Vorsprung erarbeitet und will wie voriges Jahr die Aufstiegsspiele bestreiten. «Wir haben vom Verein keine Vorgabe erhalten. Wenn wir es schaffen, ist es gut, wenn nicht, geht es weiter», sagt Trainer Ilja Borenovic, «aber es ist klar: Wir haben uns in eine Position gebracht, die wir ausnützen wollen. Wir haben eine noch jüngere Mannschaft als vergangenes Jahr, und es macht unheimlich Spass, mit diesen Talenten zu arbeiten.»

Erster Verfolger ist der FC Naters mit drei Punkten Rückstand. «Wir wollen dranbleiben», sagt Präsident Hans Ritz, «wir haben einen super Staff und eine sehr gute Mannschaft - die Qualität ist vorhanden, um sich für die Aufstiegsspiele zu qualifizieren.» Trainiert werden die Oberwalliser vom ehemaligen Profi Marco Walker (Basel, 1860 München). Klubchef Ritz hat vor, den Vertrag mit ihm über den Sommer hinaus zu verlängern.

Hinter dem führenden Duo lauert ein Quintett, das von Meyrin bis Vevey reicht, vom Dritten bis Siebten, der von Naters nur fünf Punkte entfernt ist. Mit im Rennen ist auch der FC Bulle, dessen Verantwortliche die ursprüngliche Zielsetzung geändert haben. Die Reise soll in die Aufstiegsspiele führen. «Wir können nicht mehr sagen, dass es nur darum geht, die Klasse zu halten», sagt Präsident Philippe Kolly, «wir sind auf Platz 4 nahe dran an der Spitze.» 

Abgeschlagen am Ende der Rangliste liegt Azzurri Lausanne. Seit Sommer wurden lediglich zwei Punkte gewonnen, die Lage scheint aussichtslos. Aber: Bei Azzurri hat in den letzten Wochen einen Totalumbruch hinter sich und quasi eine neue Mannschaft zusammengebaut. Transferchef Bruno Sorace will nichts davon hören, dass keine Hoffnung mehr auf den Ligaerhalt besteht: «Wir haben erfahrene Spieler geholt, dazu einen neuen Trainer, und wir sind überzeugt, dass wir wettbewerbsfähig sind.» Und: «Ich sehe es als grossen Vorteil, wenn niemand mehr mit uns rechnet.»

Gruppe 2: Der FC Biel will angreifen

Delémont startet aus der Pole Position - und mit dem naheliegenden Ziel, die Führung nicht mehr abzugeben. Trainer Philippe Rossinelli meldet: «Wir sind zuversichtlich, dass wir es in die Aufstiegspoule schaffen und setzen auf das bisherige Kader.» Er vergisst aber nicht zu erwähnen, dass die Konkurrenz ebenfalls ambitioniert ist: Wohlen, Biel, GC ll, Baden. Und er verweist auch auf den FC Solothurn, der zwar zehn Punkte Rückstand aufweist, «aber wenn diese Mannschaft in Schwung kommt, traue ich ihr vieles zu».

Deutliche Signale kommen aus Biel. Mit Noha Sylvestre (Xamax), Nathan Garcia, Charles Noundou (beide Bassecourt), Kastriot Sheholli (zurück aus Spanien) und Bastien Vitali (Vicques) fungiert ein neues Quintett im Kader. Präsident Dietmar Faes erklärt: «Wir sind der FC Biel, wir haben den Anspruch, in der Promotionsrunde dabei zu sein. Es ist kein Dürfen, sondern eher ein Müssen. Jetzt liegt es an uns.»

Einen schmerzhaften Abgang muss Langenthals Trainer Willy Neuenschwander verkraften. Mit Alix Bahlouli wechselt der treffsicherste Stürmer des Teams (10 Tore) zu Köniz in die Promotion League. Dadurch schwinden die Chancen der Berner, den Anschluss an die Spitzengruppe herzustellen.

Am Tabellenende haben zwei Innerschweizer Vereine die schlechtesten Karten: Goldau (13.) weist 5 Punkte auf Platz 12 auf, Zug 94 gar schon deren 10. Die Goldauer verstärkten nun vor allem ihre Defensive, die in der Vorrunde die mit Abstand meisten Gegentore der Liga zugelassen hatte (47) Und die Zuger setzen die Hoffnung auf einen neuen Trainer: Der ehemalige Profi Vural Oenen hat das Amt übernommen.

Gruppe 3: Tuggens Trainer Allenspach ist vorsichtig

Tuggen hat mit vier Punkten Reserve den grössten Vorsprung der drei 1.-Liga-Gruppenleader. Trotzdem gibt sich Trainer Adrian Allenspach betont zurückhaltend: «Das ist kein wahnsinnig grosses Polster. Wir müssen wachsam bleiben, um das Niveau zu halten.» Vier Spieler haben die Schwyzer verlassen, darunter Sead Jakupovic, der für Allenspach ein wichtiger Faktor in der Defensive war. Und doch ist klar, wohin die Reise führen soll: in die Aufstiegspoule.

Der frühere Profi-Stürmer (St. Gallen, Sion, Lugano, Aarau) erwartet, dass im Frühjahr die Mannschaften hinter Tuggen «ziemlich Dampf» machen werden. Wettswil-Bonstetten ist eine davon, und Trainer Jérôme Oswald macht auch keinen Hehl aus dem Ziel: «Wir wollen in den Aufstiegsspielen zur Promotion League dabei. So viel Selbstvertrauen dürfen wir haben.» Vier Punkte hinter den Säuliämtern folgt der FC Linth mit Trainer Fabio Digenti. Die Glarner verstärkten ihre Offensive mit dem amerikanisch-schweizerischen Doppelbürger Giuseppe Gentile, der in seiner Laufbahn bislang vorwiegend in den USA spielte.

Einen Kraftakt muss der FC Thalwil vollbringen, um vom Tabellenende wegzukommen und seinen Platz in der 1. Liga zu verteidigen. Der Ertrag in 14 Partien: 8 Punkte. Das bedeutet: 4 Punkte Rückstand auf Platz 13, schon deren 6 auf Rang 11. Aber der Klub hat in der Winterpause personell einiges unternommen, um die Substanz im Kader aufzuwerten. Vier gestandene 1.-Liga-Fussballer wurden verpflichtet, dazu zwei talentierte Junge. «Die Qualität ist merklich gestiegen», sagt Trainer Sergio Dias, der Mitte September Marco Bolli ablöste. 

Gewachsen ist damit auch die Zuversicht, das rettende Ufer zu erreichen. «Wir haben am 6. Januar mit der Vorbereitung begonnen, und die Spieler ziehen extrem gut mit. Es ist spürbar: Es tut sich etwas.» Für Dias ist ein intakter Teamspirit der Schlüssel: «Wir müssen als Einheit funktionieren, dann sehe ich eine Chance.» Und warum ist es von so eminenter Bedeutung, den Platz in der 1. Liga verteidigen zu können? «Weil die Strahlkraft dieser Liga gross ist. Und weil es vermutlich schwieriger ist, wieder aufzusteigen als oben zu bleiben.»

Die Ausgangslagen in den drei Gruppen vor der 15. Runde

(pmb)

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